Die Geschichte der Dossebacher Bachradde

Man schreibt das Jahr 1851…
Dossenbach wird von einem schweren Schicksalsschlag heimgesucht. An einem sonnigen, heißen Tag im Juni bricht auf der Harget in einem Wohnhaus ein Feuer aus. Begünstigt durch den an diesem Tag herrschenden Wind breitet sich das Feuer binnen kürzester Zeit im ganzen Dorf aus. Viele der alten Bauernhäuser werden ein Raub der Flammen, nur neun Häuser hielten dem Inferno stand. Auf einen Schlag wurde der größte Teil der Dossenbacher Bevölkerung obdachlos. Einige verkauften daraufhin ihr Land und verließen die Heimat, die anderen bauten das
Dorf mit großem Optimismus wieder auf. Die verlassenen Häuserruinen und der Dorfbach boten in dieser Zeit natürlich auch ungebetenem Getier Nahrung. Ratten machten sich breit und vermehrten sich so schnell, dass dies zu einer Plage ausartete. Erst als es sich dunkle Gestalten zur Aufgabe machten die Ratten zu jagen, bekam man die Plage in den Griff.

 

147 Jahre später…
Der Gesangverein Dossenbach veranstaltete an der Fasnacht 1998 seinen Kappenabend im Gasthaus zum Hirschen in Dossenbach. Die Wirtsleute vom Hirschen funktionieren zu diesem Anlass ihre Gaststube immer zu einer Bar um, dadurch wird dieser Abend jedes Mal zu einer stimmungsvollen Fasnachtsparty. In dieser besagten Bar kamen einige zur vorgerückten Stunde auf den Gedanken eine Fasnachtsclique zu gründen. Mehr aus Spaß beriet man sich lange Zeit über dieses Thema und stellte sich die Frage, was für ein Häs diese Clique wohl tragen könnte. Sämtliche Tiergattungen kamen zur Sprache, in einem Punkt war man sich aber einig, keine Geister oder Hexen, von diesen gibt es schon genug. Jürgen Nass war an diesem Abend als „Punker“ verkleidet und hatte auf der Schulter eine Gummiratte platziert. So kam man auch auf die Idee eine „Rattenclique“ zu gründen, das wäre zum einen originell und nicht oft an Umzügen zu sehen. An diesem Abend ging man allerdings, ohne sich zu einem weiteren Treffen zu verabreden, auseinander. Es verstrich dann einige Zeit und keiner dachte eigentlich mehr daran, was man am Kappenabend für ein interessantes Thema behandelt hatte.

Im April 1998 ergriffen Jürgen und Ute Nass den Gedanken, eine Fasnachtsclique zu gründen, wieder auf und luden diejenigen Personen, die damals auch sehr interessiert waren, zu einer Besprechung ein. An dieser Besprechung nahmen Silke Schönauer, Andrea Dreser, Nicole Siebert sowie Ute und Jürgen Nass teil. Wieder überlegte man die Gestaltung vom Narrenkleid. Viele Ideen kamen zur Sprache aber immer wieder keimte der Gedanke an die „Ratten“ auf. Einige gute Gründe würden ja auch dafürsprechen, zum einen ein sehr originelles Häs und zum anderen hätte man, durch die Erzählungen von früher, auch einen Bezug zum Dorf. Auch wenn man sich darüber bewusst war, dass die Gestaltung vom Häs nicht leicht wird beschloss man: Wir werden Bachratten!
Nun galt es auszuschwärmen und auf Mitgliedersuche zu gehen. Wenn sich 10 Personen finden, wäre das schon ein Erfolg. Sechs Wochen später traf man sich wieder und stellte fest, dass die 10
Personenmarke schon überschritten war. Dies gab natürlich Mut zur Suche nach weiteren Mitgliedern und so traf man sich bis zur Gründungsversammlung im Oktober 1998 noch zweimal und
stellte fest, dass immer neue „Bachratten“ dazugestoßen waren.

Dass an der Gründungsversammlung jedoch dann 23 Erwachsene und 15 Kinder die Dossebacher Bachradde 1998 e.V. (der Cliquenname nun natürlich im alemannischen Dialekt geschrieben)
gründen, hätte keiner der 5 Initiatoren zu träumen gewagt. Auch für die Gestaltung vom Häs hatte man dann bald Lösungen parat: Die ersten Masken wurden vom „Horrorwäber“ aus Brombach
(später dann von unserem Mitglied Bruno Rüttnauer) aus Pappmache angefertigt und das Häs wurde von fleißigen „Hobbyschneiderinnen“ aus unserer Clique unter der Regie von Ute Nass und Elsbeth Rüttnauer genäht.

 

20 Jahre später…
Die Dossebacher Bachradde haben sich mittlerweile an der Fasnacht in der Region etabliert und sind an den Umzügen immer wieder für eine originelle Einlage, zur Freude der Zuschauer, oder an
Fasnachtsbällen als Stimmungsmacher bekannt. Ebenso erfreuen wir uns seit der Gründung an unserem „Raddefrühstück“ am Rosenmontag zusammen mit der Fasnachtsmusik des Musikvereins. Ein Auftritt beim Schnitzelbanksingen des Gesangvereins gehört, auch schon von Anfang an, ebenfalls zu unserem Fasnachtsprogramm.

2018 zeigten 8 Personen (einige die schon als Kinder den Bachradde angehörten) aus dem Dorf Interesse den Dossebacher Bachradde beizutreten. Um die Clique noch attraktiver zu machen kam
nun der Gedanke auf, die Figur der „dunklen Gestalt“, die damals die Ratten jagte, mit einzubinden. Diese Idee fand großen Zuspruch und somit war der Raddejäger geboren. Nun kann man an den Umzügen auch verkörpern wie die Ratten damals gejagt wurden. Anders als die Bachradde trägt der Raddejäger eine Holzmaske. Das Häs wurde, wie schon das der Bachradde, von Ute Nass entworfen und angefertigt. Der Entwurf der Maske stammt von Helmut Hälker.

Somit sind wir Dossebacher Bachradde gut gerüstet für die Zukunft und freuen uns momentan über 38 aktive Mitglieder und 9 Kinder sowie 32 Passivmitglieder. Für neue Mitglieder egal ob Aktiv oder Passiv stehen unsere Türen gerne offen.